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Warum wir unsere Texte laut vorlesen, bevor sie online gehen
Ein Satz, der beim Schreiben logisch klingt, kann beim lauten Vorlesen plötzlich stolpern — zu viele Nebensätze, ein Substantiv, das ein Verb verdrängt, ein Fachbegriff, der unkommentiert stehen bleibt. Genau deshalb liest bei uns jeder neue Website-Text laut vorgelesen werden, bevor er veröffentlicht wird — von einer Person, die den Text vorher nicht kennt.
Der Test ist einfach, aber zuverlässig: Wenn die vorlesende Person an einer Stelle stockt, neu ansetzt oder den Satz zweimal lesen muss, um ihn zu verstehen, wird der Satz überarbeitet. Nicht vereinfacht im Sinne von verkürzt oder verharmlost — sondern klarer strukturiert, mit weniger Schachtelsätzen und konkreteren Wörtern statt abstrakter Nomen.
Das unterscheidet sich bewusst von „Leichter Sprache" im engeren, geregelten Sinn — jener standardisierten Form mit sehr kurzen Sätzen und einem begrenzten Wortschatz, die für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt wurde. Unsere Zielgruppe braucht meistens keine Leichte Sprache im formalen Sinn, aber sie braucht Texte, die unter Stress und Zeitdruck sofort verständlich sind — und das ist eine eigene, oft unterschätzte Disziplin.
Ein konkretes Beispiel aus unserer eigenen Überarbeitung: Aus „Die Feststellung des Vorliegens einer erheblichen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit erfolgt durch eine Begutachtung" wurde „Der Medizinische Dienst prüft bei Ihnen zu Hause, wie viel Unterstützung Sie brauchen." Beide Sätze sind sachlich korrekt. Nur einer davon lässt sich unter Stress tatsächlich verstehen.
Wir betrachten diese Arbeit nicht als abgeschlossen. Jeder neue Text durchläuft denselben Test — und wir korrigieren auch ältere Seiten, sobald uns jemand — eine Klientin, ein Kollege, eine Praktikantin — sagt, dass ein Satz nicht funktioniert.